Wichtige Maßnahmen für das regionale Handwerk aus dem neuen Gesetz
Die Energiewende nimmt Fahrt auf – doch mit dem rasanten Ausbau der Photovoltaik wachsen auch die Herausforderungen für das Stromnetz. Temporäre Erzeugungsüberschüsse, negative Strompreise und langsame Netzanschlüsse bremsen den Fortschritt. Ein neues Gesetz soll Abhilfe schaffen: Schnellere Netzanschlüsse, Pflicht zur intelligenten Steuerung und neue Einspeiseregeln verändern den Markt grundlegend. Für das Dach- und Elektrohandwerk bedeutet das neue Geschäftsmöglichkeiten – aber auch zusätzliche Anforderungen.
Was genau sich ändert, welche technischen Maßnahmen jetzt wichtig sind und wie Betriebe davon profitieren können, erfahrt ihr hier!
1. Pflicht zur intelligenten Steuerung und Smart-Meter-Integration
Bis 2026: Alle neuen PV-Anlagen mit mehr als 7 kW Leistung müssen mit intelligenten Messsystemen (Smart Meter) und Steuerungseinrichtungen ausgestattet werden (§ 29 Abs. 1).
Kleinanlagen unter 7 kW bleiben vorerst ausgenommen.
Steckersolargeräte bis 2 kW mit Wechselrichterleistung bis 800 VA müssen keine Smart Meter haben.
✅ Maßnahme für Handwerksbetriebe:
Kunden zur frühzeitigen Installation intelligenter Messsysteme beraten.
Integration von steuerbaren Wechselrichtern und Speichersystemen in die Planung einbeziehen.
2. Strengere Vorgaben zur Einspeisesteuerung durch Netzbetreiber
Ab 2026 müssen Netzbetreiber jährliche Tests zur Einspeisesteuerung durchführen (§ 12 Abs. 2b).
PV- und Speicheranlagen ab 100 kW müssen fernsteuerbar sein und ihre Ist-Einspeisung auf Abruf liefern können (§ 12 Abs. 2a).
Betreiber, die diese Pflicht nicht einhalten, können vom Netz getrennt werden (§ 12 Abs. 2h).
✅ Maßnahme für Handwerksbetriebe:
Nur noch steuerbare Wechselrichter installieren, um zukünftige Netzanforderungen zu erfüllen.
Netzdienliche Batteriespeicher einplanen, um Einspeisespitzen abzufedern.
3. Neue Regeln für negative Strompreise
Betreiber von erneuerbaren Energieanlagen erhalten keine Einspeisevergütung mehr, wenn Strompreise negativ sind (§ EEG-Anpassung). Die Kompensation findet durch eine Laufzeitverlängerung statt.
Anlagenbetreiber sollten daher zunehmend auf den Eigenverbrauch und Speicher setzen.
✅ Maßnahme für Handwerksbetriebe:
Kunden auf Batteriespeicherlösungen vorbereiten: Speicherintegration in PV-Anlagen frühzeitig planen.
Optimierung auf Eigenverbrauch forcieren: Wärmepumpen & E-Mobilität intelligent einbinden.
4. Netzanschluss wird schneller & digitaler
Netzbetreiber müssen den Anschlussprozess für PV-Anlagen beschleunigen (§ 17 Abs. 2b).
Einführung von flexiblen Netzanschlussvereinbarungen: Netzbetreiber dürfen die maximale Einspeiseleistung zeitweise begrenzen.
Verpflichtung zur elektronischen Antragstellung und schnelleren Bearbeitung durch die Netzbetreiber.
✅ Maßnahme für Handwerksbetriebe:
Anmeldeverfahren digitalisieren & Kunden helfen, ihre Unterlagen frühzeitig bereitzustellen.
Auf flexible Netzanschlüsse vorbereiten: Kunden über die neuen Regeln zur Netzeinspeisung informieren.
5. Verpflichtender Smart-Meter-Rollout & neue Preisobergrenzen
Smart-Meter-Pflicht für Verbraucher mit über 6.000 kWh Jahresverbrauch (§ 29 Abs. 1).
Neue Preisobergrenzen für Messstellenbetrieb:
≤ 10.000 kWh: max. 120 €/Jahr
10.000–20.000 kWh: max. 130 €/Jahr
20.000–50.000 kWh: max. 190 €/Jahr
> 50.000 kWh: max. 220 €/Jahr
Zusätzliche Steuerungseinrichtung am Netzanschlusspunkt: 50 €/Jahr Aufpreis (§ 30).
✅ Maßnahme für Handwerksbetriebe:
Elektriker sollten sich für den Einbau von Smart Metern zertifizieren lassen → neues Geschäftsfeld!
Aufklärung über die neuen Preisobergrenzen für Messstellenbetrieb anbieten.
6. Neue Verpflichtungen für Netzbetreiber zur Systemstabilität
Umrüstungspflicht für große Erzeugungsanlagen (> 50 MW), um Systemstabilität durch Blindleistung & Kurzschlussstrom bereitzustellen (§ 13l).
Verpflichtung zur jährlichen Berichterstattung über Netzzustand & Steuerungsmöglichkeiten der EE-Anlagen (§ 12 Abs. 2c).
✅ Maßnahme für Handwerksbetriebe:
Bei Großprojekten sicherstellen, dass die neuen Stabilitätsanforderungen eingehalten werden.
Stärkere Zusammenarbeit mit Netzbetreibern & Direktvermarktern einplanen.
Fazit: Was bedeutet das für Handwerksbetriebe?
Chancen:
✅ Mehr Nachfrage nach intelligenter Steuerung & Smart Meter → Elektriker profitieren.
✅ Batteriespeicher & Eigenverbrauchsoptimierung werden zum Standard → Markt wächst.
✅ Schnellere Netzanschlüsse und Digitalisierung helfen bei Projektabwicklung.
Herausforderungen:
Technische Schulungen für Smart Meter & Fernsteuerung von PV-Anlagen nötig.
Kunden müssen sich auf neue Einspeiseregularien und negative Strompreise einstellen.
Mehr Netzbetreiber- und Bürokratieanforderungen erfordern genauere Planung.
Empfohlene nächste Schritte:
1️. Weiterbildung in Steuerungstechnik, Smart Metern & Batteriespeichern.
2️. Kunden aktiv über die neuen Einspeise- & Speicheroptionen informieren.
3️. Neue Geschäftsmodelle mit Serviceverträgen für Energiemanagement entwickeln.
Mit der richtigen Vorbereitung kann das Handwerk von den Änderungen profitieren und sich als kompetenter Partner für die Energiewende positionieren!